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Die Entstehung der Welt. Die Geschichte, wie Saraswati und Brahma aus Klang die Welt formen.

  • Autorenbild: Stephanie
    Stephanie
  • vor 16 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

aufgezeichnet von Nadine Said Azari

Der Gott Brahma war verzweifelt. Er hatte sich die Erschaffung des Universums viel

einfacher vorgestellt. Doch alles blieb still und in Dunkelheit gehüllt. Nichts war

wahrnehmbar. Weder gab es etwas zu entdecken noch zu erfahren. Es war, als ob alles in tiefem Schlaf liegen würde.


Brahma fragte sich, ob diese Aufgabe nicht doch eine Nummer zu groß für ihn sei. In seinem Herzen rief er nach seiner Frau.

Auf einer weißen Lotosblüte sitzend, begleitet von einem Schwan, erschien Saraswati, die Göttin der Weisheit. In ihren weißen Sari gehüllt, sah sie aus wie die Reinheit selbst. »Was möchtest du tun?«, fragte sie Brahma.


»Nun, ich bin dabei, das Universum zu erschaffen«,

antwortete dieser. »Und wozu, wenn ich fragen darf?« »Wir müssen doch irgendetwas

erleben. Im Moment ist ja einfach alles nur still.«

»Was möchtest du denn genau erleben?«, fragte sie ihn weiter. Und Brahma beschrieb ihr

seine Vision: eine Welt voller Leben und Fülle, in eine göttliche Ordnung gefügt. »Das klingt

sehr schön, was du da beschreibst«, sagte Saraswati.


»Aber momentan habe ich keinen Plan«, sagte Brahma mutlos.


»Du brauchst Wissen, um etwas zu erschaffen und ihm eine Form zu geben.

Erfahre also das Geheimnis des Lebens: Es ist ein ewiger Kreislauf von Entstehen und Vergehen, Begrüßen und Abschied, Geburt und Tod und Neubeginn – eine unendliche Bewegung«, antwortete Saraswati. »Wenn ich nun die Saiten meiner Laute zum Schwingen bringe, lausche dem Ton und nimm wahr, wie er in dir ein Gefühl weckt und dich zum Tanzen bringt, bis er wieder in Ruhe verklingt.«


Mit den Händen, die bis dahin auf dem Instrument geruht hatten, begann sie also, ihre Laute

zu spielen. Und als die Saiten zu schwingen begannen, kam das ganze Universum ebenfalls

in Bewegung. So entstand die Energie, zunächst noch jenseits von Zeit und Raum.


Dann begann Brahma, die Schwingung dieser Energie auch als Klang wahrzunehmen. Das

»OM« – das heiligste aller Mantras – ertönte. Die Energie begann, sich in Ideen zu

manifestieren. Ihre Schwingung wurde langsamer, und sie wurde zur Luft, in welcher sich der

vernunftbegabte Geist bildete. Durch die Reibung entstand Wärme, und die Emotionen

kamen in die Welt. Als sich die Wärme abkühlte, entstand das Wasser als Träger der

Lebensenergie. Und diese verdichtete sich endlich zur festen Materie. So kamen Menschen

und Tiere, Bäume und Pflanzen, Metalle und Steine in die Welt.

Und alles hatte mit dem Wunsch nach Erfahrung begonnen. Brahma schaute in die

Schöpfung und war zufrieden. Saraswati lächelte. Sie wusste, dass sie das Universum

gemeinsam geschaffen hatten – durch Brahmas Vision und durch ihre Weisheit und ihren

schöpferischen Impuls.

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